Von Beatrice Bacci, Lisette und Caesar April, 2008
15.Jahrhundert / Italien
Der Bichon bolognese von Leonardo da Vinci
(per Mouse vergrösserbare Bilder)
In der Werkstatt des Malers Andrea Verrocchio in Florenz arbeiteten im 15. Jahrhundert auch andere Künstler mit, wie es damals üblich war. Darunter um 1470, während seiner Lehrzeit, auch der junge Kunststudent Leonardo da Vinci.
Kunst-Experten sind sich heute sicher, dass der bologneser Bichon Hund auf dem Gemälde des Tobias mit dem Erzengel Raffael von Leonardo da Vinci's Hand stammt.
Weitere Bologneser Hunde mit Erzengeln, Florenz, Italien
Der etwas weniger berühmte florentinische Maler Francesco Botticini, der sich auf den gleichen Stil wie Filippino Lippi, Verrocchio oder Botticelli spezialisiert hatte, malte sogar zwei Bologneser Bichons im Zusammenhang mit der Tobias-Thematik.
Eines der Bichon-Werke, mit drei Erzengeln, hängt in den Uffizien in Florenz, das andere, ein Fresko, in der Sacristia der Kathedrale von Florenz.
Im Florenz des 15. Jhd. gehörte der kleine weisse Hund untrennbar zur Ikonografie des Erzengels Raffael mit dem Tobias. Der weisse Bichon bologneses (selten auch kurzhaarig oder mit Spitzohren) wurde damit selbst Ikone, Symbol für himmlischen Schutz und spirituelle Heilkraft.
Im Metropolitan Museum of Arts in New York befindet sich ein dreiteiliges San Zeno Altarstück, das ursprünglich in einer Kirche ausserhalb von Florenz beheimatet war. Der Bologneser Bichon, der beim Erzengel Raffael sitzt, ist ganz besonders schön, leider liess sich bis jetzt kein detaillierteres Abbild finden. Das Werk stammt von Davide Ghirlandaio, einem der Ghirlandaio-Brüder. Im Hintergrund ist übrigens die Stadt Florenz abgebildet.
Der Bichon bolognese der Sibylle
Der sitzende kleine Bichon bolognese von Benedetto Diana, der in der zweiten Hälfte des 15. und anfangs des 16. Jahrhunderts in Venedig wirkte, gehört zu einem klassischen Thema der Renaissance: die Sibyllen.
Zu sehen ist dieser Bichon von 1480 in der Galleria Palatina im Palazzo Pitti, Florenz. Das Gemälde gehörte zur Sammlung der Medici Familie, deren Mitglieder über Jahrhunderte auch selber Bologneser Bichons besassen.
Die biblische Geschichte des Tobias und dem Erzengel Raffael war in Florenz im 15. Jahrhundert sehr beliebt. Ebenso die kleinen weissen Vorfahren der Bologneser Bichon Hunde.
Das Thema des Tobias (mitsamt Bologneser Bichon) wurde daher gerne und oft von den Florentinischen Malern interpretiert und es wurden dabei auch ganze Bildinhalte kopiert. Fast alle Bilder zeigen einen kleinen weissen Bichon bolognese Hund mit Locken, mehr Symbol der Treue als in irgendeinem Zusammenhang mit der Geschichte: Tobias soll eine Schuld eintreiben, da sein Vater, der Händler Tobit, blind ist. Der Engel Raffael gibt Tobias Schutz und Geleit, und weist ihn zudem an, Herz und Galle eines Fisches zu entnehmen und seinem Vaters zur Heilung zu bringen.
Durch Mousklick werden die Bilder gesamthaft sichtbar.
Bereits gegen 1460 entstand der Bologneser Bichon mit der als Quaste zurechtgeschnittenen Rute des Antonio Benci,bzw. Antonio Pollaiolo. Möglicherweise war diese Version vom Tobias mit dem Erzengel eine der frühesten, und könnte bei den späteren Werken als Inspiration gedient haben.
Die Version des Tobias mit dem Erzengel, ebenfalls mit Bichon bolognese, von Filippino Lippi entstand um 1475-1480, also fast zeitgleich mit dem Bologneser Hund des Leonardo da Vinci. Der Bologneser Bichon Hund ähnelt allerdings mehr Bichon des Pollaiolo: die Rute ist ebenfalls als Quaste frisiert.
Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang, dass bereits die Römer von einer magisch-heilenden Wirkung der kleinen "Melitenserhunde" überzeugt waren, insbesondere bei Bauchschmerzen. .
Der Grund für die ungewöhnliche Ikonografie des weissen Bologneser Hündchens könnte also durchaus in der Antike zu finden sein. In Florenz wurden die Bichons jedenfalls Symbol Raffaels, der heilenden Kraft Gottes.
Altobello Melone aus Cremona (Oberitalien), recht nahe bei Bologna, malte um 1521 im ferraresischen Stil diesen winzigen weissen Bologneser, kaum grösser als der Fuss des Engels Raffael. Die Proportionen stimmen wohl nicht ganz. Zu sehen in Oxford, im Ashmolean Museum. Es ist einer der ersten Bologneser Bichons , die im Zusammenhang mit der Tobias-Geschichte ausserhalb von Florenz in Italien gemalt wurden. Im frühen 16. Jahrhundert.
Was der Bologneser Bichon eigentlich bei der Sibylle zu suchen hat, ist nicht ganz eindeutig klar. Die kleinen Bichon Hunde waren ja Symbol für Treue und Liebe, beim Tobias - für Heilkraft. Hier könnte der kleine weisse Hund für das übernatürliche, und somit magisch-göttliche Wissen der Sybillen über das Geschick der Welt und ihrer irdischen Bewohner stehen. Möglicherweise gibt es eine bessere Erklärung.
Der Bologneser Bichon des Gondoliere
Vittore Carpaccio's vor der Rialtobrücke auf einer Gondel fahrende Bologneser gehört zu einem ganzen Bilderzyklus. Titel: Das Wunder der Heilung des Geisteskranken durch das Kreuz an der Rialtobrücke (auch in dieser Legende ist eine Heilung im Spiel - und ein Bologneser!). Es entstand ca. 1490, und zeigt einen ausgesprochen typischen Bologneser. Siehe auch Bichon-Gemäldegalerie 16.Jhd., dort ist das Bild nochmals mit einem grösseren Ausschnitt zu sehen.